Rayleighsche Stromwaage

Thomas Orgis (Universität Potsdam)
URL: http://thomas.orgis.org/vortraege/stromwaage2

Gliederung

  1. Definition des Ampere
  2. Messmethoden
  3. Rayleighsche Stromwaage
    1. Aufbau
    2. Prinzip / Theorie
    3. Beispiel
    4. Genauigkeit
  4. Zusammenfassung
  5. Literatur
  6. Auf Wunsch: Formeln

Die 9. Generalkonferenz für Maße und Gewichte, 1948:


Das Ampere ist die Stärke eines zeitlich unveränderlichen elektrischen Stromes, der, durch zwei im Vakuum
  • parallel im Abstand 1m voneinander angeordnete,
  • geradlinige,
  • unendlich lange
  • Leiter vernachlässigbarem Querschnitts
je 1m Leiterlänge die Kraft von 2*10^(-7)N hervorrufen würde.


Möglichkeiten der Strommessung

(einige)

Elektrolyse

Wägung eines durch elektrolytischen Strom bedingten Metallniederschlages (also indirekt auch eine Art Stromwaage) - etwas aufwendig...

Tatsächlich wurde dereinst (Stand des Buches von 1910) das Ampere durch diesen Vorgang definiert und Strommessgeräte voltametrisch geeicht (ein Voltameter ist eine Zersetzungszelle, in der die Elektrolyse stattfinded).

Verlustleistung / Hitze: Hitzedrahtinstrument

wechselstrominvariant (Effektivwert), aber abhängig von Umgebung (thermodynamisches Gleichgewicht)

Stromdurchflossener Draht erhitzt sich und erreicht Gleichgewichtszustand, in dem elektrische Wärme gleich der abgegebenen ist. Somit stellt sich eine gewisse Temperatur ein (könnte man auch direkt messen und daraus die elektrische Leistung / den Strom berechnen) und der Draht dehnt sich. Diese Dehnung wird mit geeigneter Mechanik auf einen Zeiger übertragen.

Ablenkung einer Magnetnadel

Tangentenbussole, Galvanometer - Einfluss des Erdmagnetfeldes

Funktion der Tangentenbussole: Große Stromschleife so aufgestellt, dass Magnetfeld senkrecht zu Erdmagnetfeldmeridian. Ablenkung einer in der Mitte der Schleife angebrachten Magnetnadel durch Stromschleifenmagnetfeld

Möglichkeiten der Strommessung

(einige)

Lorentzkraft

  • Drehspulgalvanometer

    Das dürfte der auch heutzutage noch verbreitete Mechanismus von nicht-digitalen Amperemetern sein. Kleine Spule im Feld eines Dauermagneten; Stromfluss führt zu Drehung. Auslenkung (mit Federrückstellkraft) somit Maß für Stromstärke.

  • Dynamometer

    Drehspule in einer großen Spule; gleicher Strom durch beide - somit auch Wechselstrom zugänglich (beide Felder wechseln das Vorzeichen)

  • Saitengalvanometer

    Nur eine Metallsaite im Permanentmagnetfeld. Stromfluss führt zu Biegung, welche mit Mikroskop abgelesen werden kann (etwas unbequem, dafür recht empfindlich und auch fast momentan eingestellt).

  • Stromwaagen
    • Gerader Leiter im homogenen Permamentmagnetfeld (für das Lehrbuch)
    • Rayleigh

Modern: Digital-Multimeter

Quanten-Hall-Effekt, Josephson-Effekt

Die Rayleighsche Stromwaage

Idee

  • gemeinsamer Strom fließt durch alle Spulen
  • Magnetfeld verursacht Zugkraft an kleiner Spule
  • Messung dieser Kraft durch vergleich mit Gewichtskraft (Wägung)

Ein Helmholtz-Spulenpaar (dünn, ein Radius Abstand voneinander) erzeugt dabei den passenden Feldverlauf mit konstanter Kraft in der Nähe der Mitte.

Ansatz

Dipolmoment einer dünnen Spule

Kraft auf ausgerichteten Dipol (inhomogenes Magnetfeld)

Geometrie

Feld einer Schleife / dünnen Spule entlang der Achse

Felder von zwei Helmholtz-Spulen (gleichsinnig)

Homogenes Feld durch additive Überlagerung

Felder von zwei Helmholtz-Spulen (gegensinnig)

Konstanter Gradient bei der Mitte durch Subtraktion

Zusammenhang Strom - Kraft

Wir haben nahezu konstanten Gradienten in der Mitte (x=0).

Einfacher Zusammenhang mit Gerätekonstante, welche die Spulenradii, Windungszahlen und umgebendes Medium (relative Feldkonstante für Luft gleich 1 belassen) enthält.

Berechnung des Stromes aus gewogener Masse

Ein Beispiel

Wir bauen eine Waage
und messen eine "Strommasse"

Genauigkeit

  • abhängig von Genauigkeit der Geometrie und der Wägung
  • erst Mitte des 20. Jh. praktikabel als Ersatz zur Elektrolyse als Norm
  • allgemeine Angaben schwanken zwischen einigen 10^-6 A und 10^-8 A
  • primär historisch / didaktisch relevant

Zusammenfassung

  • Stromstärke in Ampere definiert durch Kraft zwischen Leitern (durch Magnetfelder).
  • Stromwaagen machen diese Definition praktisch zugänglich.
  • Rayleighsche Stromwaage nutzt gegenpolige Helmholtzspulen für örtlich nahezu konstante, nur vom fließenden Strom abhängige Kraft auf Spule zwischen ihnen.
  • Präzise Wägung bzw. direkte Kraftmessung führt zur gesuchten Stromstärke gemäß
    mit G als Konstante, die den Geräteaufbau beinhaltet.

Literatur

  • H.Starke: "Experimentelle Elektrizitätslehre", 2. Aufl., Teubner 1910 (Tangettenbussole, Galvanometer, Voltameter)
  • P. Täubert: "Elektrizitätslehre", VEB DVW 1976 (Hitzdrahtinstrument)
  • Horst Hänsel / Werner Neumann: "Physik Band II - Elektrizität, Optik, Raum und Zeit", Spektrum 1993 (Dynamometer)
  • Hans J. Paus: "Physik in Experienten und Beispielen", 2. Aufl., Hauser 2002 (namentliche Erwähnung der R.S.)
  • Wilhelm Raith: "Bergmann-Schäfer Band2: Elektromagnetismus" (Skizze der Waage)
  • http://www.wissenschaft-online.de/abo/lexikon/physik/458

Bausteine

Feld einer Leiterschleife auf Achse

Dipolmoment einer Leiterschleife

Bausteine

Feld einer dünnen Spule auf Achse

Dipolmoment einer dünnen Spule

Bausteine 2

Kraft auf ausgerichteten Dipol (inhomogenes Magnetfeld)

...und nicht zu vergessen:

Gewichtskraft

Das Feld

Kraft im linearen Bereich

Bereich mit nahezu konstantem Feldstärkegradienten in der Mitte (x = 0)

definiere Gerätekonstante

Wir erhalten eine einfache Umrechnung

Strom - Kraft

Masse - Strom